
Jörmungandrs Schatten, Buch Wandelwelten
In Erinnerung einer dunklen Zeit.
Als das Licht wieder anfing, hell zu leuchten.
Auszug aus Jörmungandrs Schatten. (El Bachir erzählt) Schwarzbären sind Familienwesen, die nichts anderes höherstellen … aber im Gegensatz zu seiner Vorstellung von Familie, werden die Frauen in den Burgen dabei ausgeklammert. Wie es ihnen ergeht, interessiert keinen. So will er es nicht in seiner Welt sehen. Deshalb ging er fort und leidet seitdem darunter, ein offensichtlich Furcht einflößendes Wesen in Monstergröße zu sein … ja. Diesen Jungen wird er begleiten. Ganz gleich, wohin es geht. Auch egal, dass er tot ist. El Bachir hat endlich eine Familie für sich gefunden … nun, der besagte Vater vom Zwerg, sollte, für seine Augen, wohl auch eher ein Ururenkel sein, als anderes, aber egal. Sein Äußeres zeigt einen jungen Erwachsenen und sein Inneres ist seit 50 Jahren darum bemüht, sich an die jeweilige Situation passgerecht anzulehnen … das tut er auch für diesen Fall. Damit könnte es endlich einmal eine längerfristige Lösung werden. Denn die anderen, um ihn herum, werden auch nicht mehr älter … „Sag mir bitte, was du jetzt tun würdest, könntest du es noch tun? Welche Elixiere würdest du wie gewinnen – extrahieren – kochen– oder wie immer du das letztlich bezeichnest? Ich weiß, die Antwort steckt in deinem Schädel und falls du mir hilfst, sie rechtzeitig genug zu finden, werde ich nach deiner Anleitung, dein Labor nutzen. Sämtliche Pläne sind einsehbar … also, mache dir keine Sorgen darum, wie ich es umsetzen kann. Feriz baut bereits an den ersten Elementen und Shadi-al-Baasir hat bereitwillig euren großen Suppentopf gespendet und weitere Dingelchen aus eurem Küchenfundus. Ich musste ihm allerdings schwören, dass ich hernach Ersatz beschaffe. Nichts weiter. Er bestand auch gar nicht so penetrant darauf, meinen Namen zu erfahren, wie du jetzt … Allah sei gepriesen! – Weißt du eigentlich, wie schlecht es um dich steht? – Könnten wir uns zunächst darauf konzentrieren, dich auszukurieren? Dann schwöre und verspreche ich dir alles, was du verlangst. Was es auch sein mag … Allah sei gepriesen! – Alles. – Gut jetzt. In Kurzfassung: du machst mich glücklich. Aldebaran, mein Herr und Meister. Ich unterwerfe mich dir untertänigst … da du mir die Familie schenkst, die ich mir so sehr ersehne … reicht das? Können wir endlich loslegen? – Zurück zu dem, was du beitragen musst: Ich weiß, dass die benötigten Naturalien allesamt vorhanden sind. In deinem Korb. Wo es ziemlich viele Kräuter gibt, die ich noch nicht kenne. Es geht also darum, dass du mir ein entsprechendes Bild derer sendest, die ich als Nächstes benötige, dass Feriz sie finden kann. Und dann müsstest du mir Bilder senden, wie ich aus dem vermutlichen Kraut das generiere oder sonst wie gewinne – was es auch sein mag – das wir für deine Heilung benötigen: Eine Paste? Eine Tinktur? Einen Tee? Wickel? Oder Einlauf? – Glaube mir, Sayyidī, mein hochverehrter Lord Aldebaran, falls du etwas besitzt, das dich zunächst einmal stärken kann, würde ich gerne damit anfangen … glaube mir, mein teurer Freund: Es eilt! Wirklich. – Halte dich nicht mehr mit anderem auf … du willst doch ein Gott sein? Dann halte dich an den Grundsatz, dass Götter unsterblich sind! – Los jetzt, ich warte …“ – Man könnte leutselig behaupten, El Bachir kann alles wieder richten. Allerdings nur, weil Aldebaran sich von ihm vertrauensselig lenken lässt. Ihm, all jene Informationen seines Gedächtnisses, offeriert, die für seine Genesung nötig sind. Gowinnyjen sind normal keine Götter. Durchaus Sterbliche. Außer, sie verfügen über einen Phöx in ihren Reihen. Was aber die Familie von El Bachir und Feriz – sie stammen derselben ab – nicht tut.

Wenigstens El Bachir hat von der Existenz solcher Leuchtwesen gehört, ist aber noch niemals einem begegnet und Feriz weiß gar nichts davon. Das heißt, die Kunde drang vor so langer Zeit in ihre Burg und wurde seitdem nie bestätigt, dass man schon lange nicht mehr darüber nachsinnt, es gar noch ausspricht. Wie vieles, das niemals aufgeschrieben wurde, geht Wissen verloren. Weil es nicht für relevant eingestuft wird. Oder für bloße Fantasie abgetan? Oder weil man sich nicht für Vergangenes interessiert. Wie viele junge Generationen. Im Laufe der Jahrtausende werden es immer mehr werden, die achtlos und völlig ungeniert die Früchte der Vergangenheit zertreten. Überzeugt, sie lockerten lediglich ihre Bandagen. Tatsächlich aber streifen sie ihr Erbe ab. Vernichten manches Mal den letzten Funken einer mystischen Kraft, die nur noch auf den richtigen Moment wartete, erneut hoch aufzuzüngeln … vielleicht auch so bei den Lenäeern in der Wüste Marokkos? Wer weiß. Die beiden Vertreter zeigen jedenfalls kein Interesse, weiter darüber nachzugrübeln. Über die Vergangenheit, ihre Familie, ihr Erbe … in Aldebaran, der von sich glaubt, kalt wie ein Stein zu sein und es wohl auch ist, finden beide den Mann unter den Mijnns, der ihnen beweist, dass nicht nur Gowinnyjen großartig sein können … – Als El Bachir mit Feriz in den Höhlen ankommt, hat er bereits alles Verfügbare aus Feriz Gedächtnis ausgelesen und es gleichsam vor allen anderen Augen sorgsam versteckt. Und Feriz beigebracht, es von sich aus zu beschützen. Feriz, der sich schwer gedemütigt, einer grauenvollen, unendlichen Moralpredigt unterworfen sieht, reagiert global einsichtig. Erübrigt im Gegenzug jedwede geforderte Verständnisbereitschaft, gleich einem unterwürfigen Welpen, der vor seinem Herrn niederkniet. Eigentlich hatte er sich ja geschworen, dass es das niemals wieder geben würde. Weshalb er keinem seiner Leute begegnen wollte, aber das Schicksal sah anderes für ihn vor. Schon sein erster Auftrag leitete ihn direkt in die Arme eines nochmals klammeraffigeren Vatertypen, als er sie bisher kennenlernte. Und der ließ überhaupt kein Argument gelten, das ihm widersprach … wenigstens doch das, war zuhause bislang gestattet. Sie von einer alternativen Version oder Lösung zu überzeugen. Nicht aber in diesem selbst gewählten neuen Dasein. Nicht, seitdem El Bachir dazuzählt. Und dafür ihr großer Anführer wieder gesunden kann.
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