
Schröderberg, Buch Wandelwelten
Auf der Suche nach dem nächsten Abzweig.
Denn der Weg ist schmal.
Auszug aus Schröderberg. Das dürfte wahrlich interessant werden. Aber erst einmal doch ist Karlsruhe dran zur Vorrecherche. Da gibt es noch einmal einiges mehr als dieses verzauberte Tal. Das spüren sie ebenfalls in ihren Zehennägeln, wie es unter ihnen im Boden deutlich vibriert, lenken sie auch nur bloße Gedanken in diese Richtung … William muss ihnen ein Zeitfenster vorgeben und die anderen beiden davon überzeugt werden, dass sie zeitgleich freinehmen müssen. Auch das teilt ihnen der Boden beharrlich eindrucksvoll mit, dass die drei gemeinsam hinreisen müssen. Völlig offen und sichtbar. Nicht so, wie sie beiden das immerzu tun und erneut durchführen werden. Nein. Für dieses Tal gilt es, mit offenen Karten zu pokern – wenn man das mal so salopp ausdrücken darf! Irgendwas ist dort gänzlich anders als anderenorts … Sie schaffen es über Fasching 1973 ihre drei Freunde im Grünen Tal einzuquartieren. Manchmal hat man wirklich Glück! Währenddessen erfahren sie um Erbgraf Stefans kommunistische Grundgesinnung. Mann! Das ist doch mal ’ne Sache! Wenn so ein schneidiger Königstreuer so ganz auf die andere politische Seite rüberrutscht und die anderen Königstreuen am Spielfeld es zudem unterstützen? Denn dieser Degen wurstelt da fleißig mit. Hilft Stefan eine sauteuere Pferdezucht aufzubauen und gleichzeitig hilft er bei dieser Stein-Manifestation am Schlossdach. Das Kommunistische Manifest in die Hohen Zinnen eingraviert, für ganz Baden-Baden bestens sichtbar und darüber ein fünf Meter hoher Revoluzzer, mit passend dickem Buch im Arm links, mit der rechten Hand die rote Fahne schwingend. Mann, das ist doch mal eine Weihnachtsüberraschung, wie man sie dieser Tage nur selten erlebt … ach ja. Also dieser Revoluzzer in rotem Stein, mit sichtbar langen buschigen Locken und trendigem Dreitagesbart, trägt einen Schal. Sieht nach Shirt aus, was er darunter anhat. Legere Jeans und praktische Boots. Dazu dieser lange markante Strickschal … da soll es einen Sam Melzer geben und einen ebenfalls im Hintergrund stark engagierten Oberstaatsanwalt, Ulf Mattes. Alle beide mit roten Locken und strahlend grünen Augen. Eben solche wie ihr Freund Tobs. Gibt es von der Sorte wohl noch weitere? Dieser Sam hilft Stefan in der Firma, im Pferdestall, in der Sozialpolitik. Sie unterstützen in ihrem Umfeld Unternehmen mit Herz. Sorgen dafür, dass sie überleben können. Stefan zieht Individualität dem Einheitswesen vor. Er fördert, dass die sich noch etwas länger behaupten kann. Dass es Menschen gibt, die sich’s leisten können. Das Befähigte Arbeitsplätze finden. Dass Qualität seinen Wert beibehält. Dass man sich nicht unisono der grassierenden Wegwerfgesellschaft anschließt, sondern Umweltbelange im Auge behält. Er fördert Gemeinschaftsprojekte, Initiativgeist, Familiensinn. Führt großflächige Vertragskonzepte ein, schließt Ringverträge. Die den Vertragspartnern Vorteile zusichern, ihren Gemeinsinn fördern. Wie genau das läuft, ist auch mit viel Zeit nur äußerst kompliziert zu erklären. Dabei wird jeder Vertragspartner genau durchleuchtet. Jedes Produkt, mögliche Dienstleistung, genaustens analysiert. Dann ausgetüftelt, wie und an welcher Stelle welcher Vertragspartner, was vornimmt. Das Gesamtkonstrukt wird via Akklamation flexibel gehalten, wie in einem großen Konzernverbund, aber dennoch behält jeder Vertragspartner sein Selbstbestimmungsrecht. Wie genau das funktionieren soll, kann dir wirklich nur ein Sam Melzer oder Stefan vG so genau erklären, dass du es auch glauben kannst. Das klingt für den ersten Moment doch mal reichlich widersprüchlich. Aber es scheint zu funktionieren. Ein großangelegtes Kaufhaus mit Zulieferbetrieben gehört auch zu Stefans so geschaffenen Ringkonzernen, das er ebenso in seinen Förderpool einbezieht. Außerdem kauft er für seine Belange im Schloss und seinem Gartenanteil ausschließlich dort ein. Dieses Kaufhaus verkauft Boutique-Waren an Kleidung, Wäsche, Schuhe, Accessoires. Alles hierzulande hergestellt. Auch die Rohstoffe dazu. Wolle will Stefan laut Vertrag in den kommenden Jahren eigens produzieren und zuliefern, ebenso Rohleder für Lederwaren ganz allgemein, Felle von Kühen, Hasen, Ziegen und Daunen im Fokus liegend. Das heißt, er nutzt Tierhäute, die bei der Fleischgewinnung ohnehin abfallen und tötet nicht andere, um ein warmes Jäckchen für den Winter zu garantieren. So gesehen alles miteinander Gedankengut, das Toljas und Holger durchweg unterstützen. In diesem Laden, Emilio Balder heißt hier der Besitzer, werden sie künftig selbst einkaufen gehen. Er liegt in der großen Innenstadt-Schutzzone Baden-Badens. Direkt neben gelagert der besonderen Kulturangebote, dass du die auch als Besucher und/oder Tourist artig mit nutzt. Und entsprechendes Kleingeld nutzbringend für Stadt, Umland und Betreiber zurücklässt. Über William und genauso Zesar Sollinger erhalten sie jederzeit Zutrittstickets, falls sie die tatsächlich benötigen sollten. Alles somit kein Problem … Holger erkennt genau, wie Toljas Herz bei all diesen Meldungen an sie jedes Mal noch einen Schlag höherschlägt.
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