
Hüter des Parks (Teil1), Buch Wandelwelten
In tiefer Liebe zu Wasser.
Vom Geist alter Erinnerung verführt.
Auszug aus Hüter des Parks. Marek sieht ihn lange an. Dieser junge Mann, den Mijnns noch als Kind bewerten, hat mehr Ahnung um ihr Volk als jeder weise Greis, den er je über Xandewvölker sinnieren hörte. Marmaduke scheint tatsächlich auch zu verstehen, warum es so ist, wie es ist und wohl immer so bleiben wird … (Marek) „Interessante Schlussfolgerung. Woher hast du diese Informationen? Ich habe noch nie auch nur im Ansatz solche Details gehört?“ – Marmaduke empfindet es als komisch, dass er, der Knabe, hier der Weise ist. Versucht sich sein Grinsen diskret zu verbeißen … „Normal waren auch keine Charyques im Osten unterwegs, emotionsfrei und unvoreingenommen wie NN. Spionieren liegt denen im Blut. Glaub‘ mir das … er hat ein paar Kumpels im Umfeld im Einsatz. Uralte Jungs aus Eisleben. Keine schwächlichen Yolliver, die alles vergessen haben, was es in der Welt an Magie und Besonderem gibt … nein! Die sind wirklich gut informiert, kriechen dauernd über den großen Eisenzaun, nachzuschauen, ob sich was verändert. Ob man anfangen muss, sein Waffenlager zu inspizieren? Wir wollen alle nicht, dass die Mijnns ihre Raufereien weiterhin mit solch grässlichen Bomben lösen. Womit am Ende alles tot und verflucht ist. Die traditionelle Form des Kampfes könnte mittels unserer Intervention den Krieg wieder in eine ehrbare Form der Auseinandersetzung zurückführen. NN ist fest davon überzeugt, dass genau das unser Auftrag ist, die Mijnnwelt vor sich selbst zu retten. Sie wieder runterzuholen, von ihrem gottgleichen Bestreben. Das bewiesen wir in unserer Vergangenheit doch ausreichend, dass es nicht gut ausgeht?“ – (Marek) „Dein Humor kennt keine Grenzen, bist du erst einmal redselig gestimmt? Mhm. Aber sag‘ mir noch eins, mein junger Freund, warum sollten die Myrmidons Laslo anlügen, wenn sie solche Guten sind?“ – „Na ja. Gut ist ein unsteter Begriff. Der sicher mal gilt und dann wieder nicht … aber ich glaube, diese Lüge basiert auf schlichtem Irrtum. Einer Verwechslung. Das heißt, die Babydiebe stehlen nicht nur ein Einzelnes und kehren wieder zurück …“ – (Marek) „Du glaubst, sie beraubten mehrere Alaniij-Familien zeitgleich und verwechselten die Babys? Dann sollte noch ein anderer Irritierter in der Sammlung stecken? Einer, der sich ebenfalls unwohl fühlt?“ – (Marmaduke) „Gesetzt, den Fall, dass Babys grundsätzlich im gleichen Alter geraubt werden? Vielleicht sind auch manche schon älter, andere erst frisch geboren und damit gänzlich ohne Erinnerung? Das könnte viele Gründe haben, warum nicht. Oder du behältst Recht. Wir sollten die Augen offenhalten, ob ein weiterer Alanydon im Westen auffällig rumrennt? Vielleicht bleibt er aber im Osten oder geht, wo ganz anders hin?“ – (Marek) „Wie hast du ihn bezeichnet? Alanydon? Heißen die nicht normal Alanijmyrmidon?“ – „Es gibt für jedwedes seine Abkürzungen. Oder zumindest einen verkürzten Pfad. Die Vampir-Myrmidons nennen wir Vampydon, die von Konaren-Abstämmigen Konydon, was alle total witzig finden … haha ha… Lenydon, noch so ein niedlicher Name. Was die sich darüber aufregen können? Und wie die deshalb verulkt werden? Du hast keine Vorstellung davon. Aber bei deiner Art gibt es weniger Sorgen – einen Werydon ärgert so rasch keiner. Das klingt doch auch richtig nett?“ – (Marek) „Nett? Vielleicht die Bezeichnung …“ – „In der Fassung sind auch welche aus deiner Familie nicht gar so übel … ich lernte viele kennen. Du wärst erstaunt, wie viele Babys sie euch rauben …“ – (Marek) „Wie groß ist denn um Himmelswillen der Brandenfels? So wie du darüber sprichst, klingt es nach mehr als einer Dorfgemeinde? Vielmehr ist das doch gar nicht? Eine Wandelwelt? Eine größere Burganlage? Umgeben von Äckern und Wald? Mit entsprechendem Viehbestand im Wald und in domestizierter Fassung auf umzäunten Wiesen und im Stall. Entsprechend viele Mijnnsklaven, für die bäuerliche Arbeit auf den Feldern, in den Ställen, zur Weiterverarbeitung der Erzeugnisse und um in der Burg die Gowinnyjen zu hofieren, ihnen nachzuputzen, sie zu bekochen, ihre Kleidung pfleglich sauber und knitterfrei zu halten. So wie bedrohtes, unterwürfiges Dienstpersonal eben in Zwangslage handelt? — Wir sind allesamt Sklaventreiber. Wir achten nicht groß darauf, wen wir zum Sklaven küren und wen nebendran abstechen? Manchmal stirbt eine komplette Familie mit zig Mitgliedern, weil wir einen neuen Stalljungen benötigen? Sonst aber keinen. Und fünf Minuten später zieht der Nächste los, eine Küchenmagd zu suchen und schlachtet die nächste Familie ab. In der Ersten wären bereits drei passende Mädchen gewesen. Aber da wusste man ja noch nichts von diesem neuen Bedarf? – So etwas kannst du nicht schönreden! Egal, wie du’s nennst? Wir sind und bleiben Monster, die irgendwer wegsperren wollte … er warf nur leider den Schlüssel zum Tor nicht weit genug weg …“ – Marek strandet schlagartig in seinem, für ihn so typischen Trübsal. Eine Stimmung, die kaum ein Lächeln zulässt, weil die Welt verkommen ist, so wie sie ist. Und solange man das nicht bereinigen kann, gibt es nichts zu lachen. Aber wenigstens lächeln kann er gelegentlich. Gerade über seine Lieblinge im Hier und Jetzt der Russenburg. Eigentlich auch über diesen neuen jungen Freund, der noch nicht allzu viel Finsternis auf Erden miterleben musste und deshalb für die Gowinnyjenwelt freundliche Worte übrig hält. Hoffentlich bleibt das, für ihn, noch lange Zeit erhalten. Mit dieser Düsternis in ihm drin, kam seine Hoffnungslosigkeit auf. Diese erbärmliche Hilflosigkeit, zu glauben, man kann ohnehin nichts tun. Aber er konnte sich beweisen, dass doch immer irgendwo etwas änderbar ist. Man muss nur genau hinsehen, dann entdeckt man für sich diese geheime Ecke und fühlt sich hernach wenigstens ein Quäntchen besser …
©Xena Falkenbourg xfwerk fürth. Alle Rechte vorbehalten.
