Schröderberg, Buch Wandelwelten
Auf der Suche nach dem nächsten Abzweig.
Denn der Weg ist schmal.
Auszug aus Schröderberg. (Aldebaran erzählt) Sam war soeben eingezogen. Und Stefan trat ihm das vordere Riesenbüro ab, zog selbst in ein bescheideneres gegenüber ein. Sam mit seinem schicken roten Schal und seinen prachtvollen Ansichten und seiner Gabe selbst diesen kleinen Neunmalklug beeindrucken zu können. Und zudem Theresa, die Wölfin, eine gar zu bizarre Tatsache, dass ich mich schon rein daran kaum satt sehen konnte. Und der Riese Degen kam auf Besuch und richtete einen geheimen hinteren Ausgang aus dem Schlosspark ein, dass der Grafensohn trotz ewiger Betüdelei durch seine besorgten Freunde, auch mal wieder für sich selbst Entscheidungen treffen kann. Dazu wurden seine bereits im Ansatz grundsolide ausgebauten doppelten Decken, Wände und Böden solide zu Geheimgängen umfunktioniert … – ich hatte dieserlei Baumaßnahmen zuvor nicht einmal im Ansatz bemerkt. Keine Vorbereitung dazu, kein gar nichts. Und ich kann tatsächlich überall hineinschauen, wohin ich auch mag? Also direkt hinter die Mauer oder durch die Außenwand des Schlosses in Stefans Büro, durch mehrere Innenwände in den Ostflügel rüber oder in den Keller runter? Unters Dach? Nur die graue Seite ziert sich etwas. Verweigert mir die meiste Zeit den Zugriff, außer Stefan ist dort kurzfristig zu Gast, dann darf ich auch dort spionieren gehen. Und Robert! Ja! Dem darf ich auch rein optisch durchs gesamte Gemäuer folgen. Es fühlt sich an, als würde ein freundliches, helles Wesen das Ganze für mich verwalten. Al Gusto. Lässt mich dann direkt hinter das Schloss sehen, wenn es dort auch was zu sehen gibt? Ich muss also niemals groß auf die Suche gehen. Sie springen mir schier ins Gesicht. Die spannenden Tatsachen oder Geschehnisse, die mir auch als Rückspuleinheit serviert werden. Wie ein Videoaufnahmegerät, das genau an die Stelle der Aufnahme springt, für die du dich interessieren könntest … praktisch. Und vor allem auch verlockend dran bleiben zu wollen. – Es verhält sich so, dass ich mir das prunkvolle Konstrukt von gegenüber in Drei-D-Optik vorstellen kann und bestimmen, wo ich hinschauen möchte … das heißt, mein Quartier, das ich »Wachstube Fremersberg« taufe, kann kaum von Nichtmagiern im Ursprung konzipiert sein? Nein. Der Menschenbau schmiegt sich da nur praktisch drumherum … das riecht genauso nach Zeresenergie wie die Wolkentreppe selbst, auf die ich anfangs schauen durfte … das ist aber schon wieder seine Zeit her. Jetzt geht es dem Verwalter dieser Tatsachen rein darum, mich an Stefan interessiert zu halten … Er macht Werbung für den Knirps, wie eindrucksvoller nicht geht. Und er scheint auch daran interessiert zu sein, dass ich mitunter nicht alles direkt mitbekomme. Wie ebendiese Konzeption von Geheimgängen. Die der ausgefuchste Grafensohn nicht bloß entdeckt haben kann. Als ich erstmals Einsicht darauf bekomme, sind sie bereits in einem modernen Zustand. Spinnweben befreit. Und Elektroleitungen, Gas, Telefon, Wasser, Luft und sonst was alles, leitet sich da genauso ungeniert durch, wie eben streng konservativ mit bizarren Holzverschachtelungen auf der sichtbaren Seite angelegt. Das heißt, keiner, der die Räumlichkeiten nach solchen Tricksereien wie doppelte Wände und Böden absucht, kommt an dieser Stelle darauf, dass sie hier existieren. Denn alles, was du suchst, findest du auch da, wo es benötigt wird. Halt diskret verschalt. Schon klar. An Geld mangelte es wohl nie, dass man das Schloss, zumindest die genutzten Räume, immer in einem aktuellen, pfleglichen Zustand halten konnte. Was mittlerweile nicht mehr allen Blaublütern Europas so gut gelingt, wie dieser Familie. Seit den Kriegen geht es mit dem Adel Europas steil bergab, außer sie engagieren sich an richtiger Stelle im System, was hier Vorort deutlich erkennbar passierte. Und dass es jeweils ein ehrenwertes Engagement war, glaubt man schon darum nicht, dass die Graue Seite sich vor dir grau beweist. Also die Seite des Schlosses, die seit der Geburt des Sohnes dem Alten Grafen auch weiterhin noch zuzählt und sich vanGeußen-Schloss und Park nennt, hingegen die freundlich bunte Seite nebendran als Sternenpark und Schloss betitelt wird. Was wohl Stefans Mutter so für den Sohn angelegt hat. Als ich hier ankam, war sie schon tot und der Sohn krabbelte bereits fleißig durch seine hellen Flure …
©Xena Falkenbourg xfw fürth. Alle Rechte vorbehalten.

