
Jörmungandrs Schatten, Buch Wandelwelten
In Erinnerung einer dunklen Zeit.
Als das Licht wieder anfing, hell zu leuchten.
Auszug aus Jörmungandrs Schatten. (Aldebaran erzählt) Wir sitzen erfüllt und zufrieden im Sand. Wie Pilger, die ihren angestrebten heiligen Ort erreicht haben, sämtliche rituellen Handlungen durchführen konnten und alle weiteren selbstauferlegte Aufgaben erledigen. Unsere Füße tief eingebohrt in der kühlenden Frische des Meeres, das letztlich doch nur noch ein großer See ist. Die Zeit des Ozeananschlusses ist schon Jahrmillionen vorüber. Und doch lebt er hier fort, ist mit jeder Berührung fühlbar, erlebbar und so friedlich anmutend, dass keiner von uns mehr Fragen zu stellen braucht, warum dieser Ort als Urlaubsparadies in der Erdgeschichte ausgewiesen wird. Als der Ort, laut Aufzeichnungen aus der Stadt Vreemarr, wo die Erde sich zurückzieht und Urlaub macht … wohl nicht die Erdkugel selbst gemeint? Ist zwar schon ein größeres Gewässer, aber der Planet passt wohl dennoch kaum rein? Somit nur sinnbildlich zu verstehen? Oder steckt mehr dahinter?

Die Erde soll auf sich selbst ausgedehnte Spaziergänge unternehmen, zuweilen auf Abenteuergang sein und es lieben, in der Wesenburg zu tauchen? – Selbst die Unterwasserwelt ist hier so faszinierend, wunderschön und gleichermaßen bizarr und atemberaubend (was ich mit Atemnot übersetze), wie sonst nur selten erlebt. – Wie tief wohl ein Planet in sich selbst eintauchen kann? – Meschugge! Ein Tauchgang mit pikanter Note. Unsere Stimmung passt glänzend zu tiefenphilosophischem Unsinn … entspannt, romantisch, ambitioniert und gleichsam phlegmatisch. Die Zeit vom vormaligen Grausen bis jetzt und hier, war so anstrengend und aufreibend, wie selten ein Erlebnis zuvor. Ausgenommen meines eigenen Todes. Der stellte mich auch erst einmal vollständig ruhig. Lieh mir die Zeit, gründlich über alles nachzudenken, was ich wohl jetzt gleichermaßen dringend benötige? Auszeit. Urlaub. – Nun, wenn die Erde hier Urlaub machen kann, können wir es ebenso … vorrangig schon deshalb, weil es hier so sagenhaft viele Nebel gibt, in denen die Zeit stillsteht, dass deswegen noch lange keine wertvolle Echtzeit verschwendet sein muss. Nur kann ich meinen Schatz nicht mit hernehmen, während alle anderen anwesenden Urlauber es können. Was mich brummig stimmt. Ewiges Rumgeknutsche, lüsternes Streicheln und Befummeln und wiederum muss sich ein Kuschelpärchen hinter den nächsten Felsen zurückziehen und hinterher ausgiebig baden. Und vergnügt sind sie! Da könnte ich mittlerweile Gift und Galle spucken, so ärgert es mich, dass sie nicht mal ein schlechtes Gewissen bekommen. Na ja, »Mylord« und ein ordentliches Siezen bringen sie wieder zustande. Über sonstige Respektlosigkeit brauche ich mich somit nicht aufzuregen. Aber vor seinem Lord kuschelt und knutscht man nicht so unbändig, ohne zu bemerken, wie peinlich es ist! Aber hier vor Ort fällt es keinem auf. Außer mir, dem Miesepeter, dem Brummbären, wie sie mich nennen, kaum, dass ich anfange, mich zu beschweren. Nicht, dass jemand sich motiviert sähe, mir wenigstens etwas Hypocras anzubieten? Oder ein paar nette Trauben, Feigen, Datteln, Himbeeren, die sie doch unterdessen überall in den Nebeln finden und genau wissen, wie sehr ich sie wertschätze? – Aber hier und jetzt hat das absolut keiner nötig! Sind sie vielmehr der Meinung, falls ich etwas benötigen sollte, kann ich es mir ja selbsttätig besorgen! Hab ja sonst nichts zu tun. — Wie nett und aufmerksam, mich daran zu erinnern, dass ich selbst ebenso aufstehen kann? – Oh ja, meine Heiligkeit erleidet an diesem Ort Schmach und Spott. Wird zur Affektiertheit retuschiert, zur Einbildung herunter gestutzt. Und ich darf mich nicht mal darüber aufregen … war es doch meine Ursprungsidee, nach hierherzukommen, wird es mal je etwas enger als üblich und wir benötigen eine Auszeit. Was gerade Fakt ist und damit umgesetzt wird. Punkt.
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