
Schröderberg, Buch Wandelwelten
Auf der Suche nach dem nächsten Abzweig.
Denn der Weg ist schmal.
Auszug aus Schröderberg. Der ganze Hof ist voller Kinder. Etwas abgeschirmt hinter einem Zaun liegt ein riesenhafter Abenteuerspielplatz mit Klettergerüst, Seilwänden, Rutsche und Sandkasten darunter. Da gibt es nochmals einen ordentlichen Schwung. Um sie alle schart sich eine beachtliche Truppe riesenhafter tiefschwarzer Neufundländer. Dieserart Hunde, die du dir als Kind auch gut als Reitpferd vorstellen kannst … nur ist das hier nicht notwendig. Auf der Wiese direkt neben diesem immens spannend gehaltenen Spielplatz, stehen doch tatsächlich fünf zauberhafte Falabella-Pferde! Und er dachte immer, die übertreiben alle bei der Umschreibung dieser Rasse? Sie wäre die Miniatur-Pferde-Ausgabe schlechthin? Ein Kinder-Pony, wo auch schon die Kürzesten rauf krabbeln können? Einem lebendig gewordenem, gutmütigem Schaukelpferd nicht wirklich unähnlich? Nun ja. Sie sind farblich wie die meisten Schaukelpferde gestaltet, hellbraun, weiße Fesseln und die Mähne, wie bei einem Irokesen, steif nach oben abstehend. Genauso, wie man diesen Indianerstamm im Western erlebt. Das ist ja mal ein Anblick! — Nebendran läuft tatsächlich eine Gans gemütlich neben einer Ente her? Vielmehr hinterher? Der gute Gänserich steht auf die Entendame? Wer hat denn das schon mal erlebt? — Nochmals einen halben Meter weiter, ein ziemlich wuscheliger Esel. Das könnte solcher seltene Poitou aus dem Südwesten Frankreichs sein, die Rasse gilt als gefährdet? Hier gibt es mehrere. Toljas entdeckt auf die Schnelle vier, zwei sichtbare Jungtiere. Und auch ansonsten gibt es an Getier einiges im Angebot. Alleine an Federvieh zeigt sich alles, was ein entsprechend geführter Zuchtbetrieb anbieten wollte – Gänse, Enten, Truthähne, Hühner – teilweise in mehreren unterschiedlichen Rassen, auch ausgefallenes darunter. Ergänzt um weitere Fleischsorten auf der Speisekarte des zugehörigen Restaurants, wollte man meinen … Ziegen, Schafe, Kühe. Also gefährdete Esel und Falabella-Pferde mittig zwischen einer Faschings-verzierten Kinderschar und normalem Viehbestand eingefügt und außen herum ein ordentlicher Schwung an Riesenhunden in pechschwarz? Nun, für ihn als Tierliebhaber sicherlich kein Problem. Ihm macht so schnell gar nichts Angst … er wollte aber trotzdem keine kleineren oder auch größeren Kinder zwischen all den vielen freilaufenden Tieren ungeschützt spielen lassen müssen? Alleine Federvieh kann sich untereinander ordentlich fetzen. Genau, wie Kinder selbst … was sie auch tun. Da drüben prügelt sich Winnetou mit Old Shatterhand und Old Firehand hat eine ernste Auseinandersetzung mit Dornröschen abzuklären, während der Sheriff selbst der Aggressor in der Auseinandersetzung mit einem Ritter – nochmals weiter drüben – sein dürfte? Rumpelstilzchen kann sich ebenso wenig mit der Prinzessin auf irgendetwas einigen und die Einzigen, die halbwegs harmonisch zusammenspielen, sind selbige Kinder, die unter strenger Aufsicht stehen … ein sichtlich erst knapp zehnjähriges Mädchen, eine Indianersquaw, sorgt für Ordnung und Versöhnkurs. So wie es wirkt, könnten die meisten der Cowboys und Indianer, einige in authentischer Kostümierung, aus ursprünglich Traumhausen entspringen … Rein an den Klamotten bemessen, die alle aus einer Hand geschneidert zu sein scheinen?



Merkwürdig, dass sich so gar keiner Sorgen macht? Es scheint für jeden alles okay zu sein? — Er beobachtet zahllose Elternpaare auf der Terrasse des Tannhäusers, wie sie das Zusammenspiel zufrieden entspannt im Auge behalten … und das Wetter spielt ebenso wohlwollend mit … obwohl erst Anfang März, müssen weder die Kinder frieren, noch die Eltern beim Kaffeetrinken. Nun, die Sonne scheint wirklich warm herunter und es ist absolut windstill. Und dennoch kriegt Toljas das Gefühl nicht aus seinen Knochen gespült, dass ein wenig weiter drüben im Wald gänzlich andere Temperaturen vorherrschen sollten. Und eben entdeckt er Großvattern Zesar mit Klementine, ihrer Schildkröte im Arm … er will wohl mit ihr Gassi gehen? Nun, sein Großvater bringt manchmal schon erstaunliche Dinge zustande. Das muss man ihm lassen … am besten sollte er ihm später nachgehen und dafür Sorge tragen, dass am Ende nicht eine große Suchaktion daraus wird, Klementine wieder mit nach Hause zu nehmen. Also, zurück ins Urlaubsquartier … derweil beobachtet er einen außergewöhnlich großen weißen Hasen, der gemütlich durchs Bild hoppelt und weiter drüben – wenigstens doch die zweckdienlich im umzäunten Areal – ein Rosettenmeerschwein in dreifarbig und eins daneben in zweifarbig und nochmals mehr von diesen munteren Riesenhasen … wenigstens zehn zählt er auf die Schnelle. Ein richtiger Streichelzoo, die ganze Anlage um Spielplatz und Hof herum … Harmonie scheint hier wirklich großgeschrieben zu sein? Wobei die beiden etwas größeren Jungs drüben gerade anfangen, sich richtig ernsthaft um ein Auto zu prügeln. Also, eins von den Spielzeugen, die es heutzutage auch in kunterbuntem Plastik gibt … hier steht man aber wohl mehr auf traditionelle Ausstattung? Oder die Betonung liegt auf robust? Die Spielmodelle sehen alle schon etwas älter aus, nach weitervererbten Stücken … nun, entweder geht es dabei darum, den Kindern vor Ort – also, auch den Gastkindern aus den Urlaubsquartieren – den Wert eines jeden Stücks zu vermitteln oder man ist rein nostalgisch unterwegs oder – nochmals anders – man steht auf Sparkurs … einige Variationen denkbar … auch die Puppen der Mädchen sehen so aus, als hätte schon Mama mit ihnen gespielt … die Kleider dafür brandaktuell genäht. Wobei auch Trachtenlook gefragt ist … aber, die eine sieht unverkennbar nach Hollywood aus … Grace Kelly, unterdessen Gracia Patricia? Und daneben Audrey Hepburn? Marilyn Monroe nebendran … soll’n die das tatsächlich sein? – Pah, und da sind sie doch noch! Die trendige Barbiepuppe in mehreren Ausgaben, die Sammlung von Lurchis Salamander-Freunden aus den zugehörigen Schuhgeschäften und die gesammelte Mannschaft des Raumschiff-Enterprise. Kirk hat wohl erst kürzlich seinen Arm eingebüßt? Jedenfalls streiten sich darüber gerade zwei andere Jungs weiter rechts … Toljas fängt Namen auf … Johann-Peter, der eine vielleicht fünfjährige blonde Junge. Dürfte der große Bub Doktor Konrad Thieles sein? Seinetwegen wurde dieses Märchenland ursprünglich konzipiert … weil ein bisheriger Einzelgänger im Leben plötzlich beschließt, doch noch ein wenig Familienglück zu genießen … und das resultiert dann daraus: Märchenland pur in einer grünen Traumoase! – Das alles herauszufinden, was sie unterdessen wissen, war gar nicht so leicht auszubuddeln. Seit 1970 im Sommer gibt es keine gedankliche Verknüpfung mehr zwischen Konrad Thiele und Conny-vom-Tal, wie der Weißkopfadler hier genannt wird — aber definitiv kein Bloonie ist, nur der Freund eines Selbigen — dem das Tal gehört und den man des Abends öfter am Zapfhahn in der Gaststube des Tannhäusers erleben kann … aber wohl nicht die nächsten Tage? Nachdem sie mit hierüber genommen wurden und zuvor Doktor Thiele von Preimuk die Hand reichten … damit ist ihnen nun wohl der Kontakt zum anderen Gesicht des gleichen Herrn untersagt? Er soll noch eine Stadtwohnung besitzen …
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