
Vángandr, Buch Wandelwelten
In tiefer Liebe zu Wasser.
Vom Geist alter Erinnerung berührt.
Auszug aus Vángandr. Sie nehmen Jobs an, wann immer es ihnen möglich ist, schließen sich Expeditionen und Befreiungsaktionen an, um ihrerseits weiterzukommen und Hilfe zu erhalten. Am Ende führt ihr ewig angefühlter Pfad direkt ins Schutzzaun-überladene-Ruhrgebiet. Als Gesamtbild betrachtet eine Hochsicherheitszone, die du als Gewöhnlicher ohne Connection und Reichtum nur ganz am Rande betreten darfst. Ein idealer Ort, seine Spuren gründlich zu verwischen. Der schöne Mann mit seinem Reisemobil entgleitet ihrem Blick. Ihnen bleibt nichts anderes, als andere Stichworte wieder neu aufzugreifen und diesen Hinweisen nachzuspüren. Sie fahren nach Bonn. Ihre Suche nach NN läuft an, die von vorneherein gar nicht erfolgreich werden könnte, so wenig wie sie über ihn wissen … aber hier stolpern sie endlich über einen, der bereit ist, ihnen wirklich zuzuhören. Er nennt sich William Reuther junior. Sein Vater ist bereits in Bonn auf hohem Posten im Geheimdienst aktiv. Gewesen, gerade erst verstorben. Auf Mission soll es passiert sein. William junior will sich darüber nicht äußern. Aber er gibt ihnen einen Tipp bezüglich des schönen Mannes. Sie sollen sich die Stadt Baden-Baden näher betrachten … Dieser Städtename wird hier zum ersten Mal laut ausgesprochen. Sonst sprachen alle von »BB« und solltest du nicht wissen, was gemeint ist, verstummt die Gegenseite schlagartig … somit wissen sie nun sicher, dass sie nach »BB« nicht offen fragen dürfen und schon mal gar nicht nach Baden-Baden in Langform … sie hören vom vanGeußen-Park, einem wirklich übel finsteren Ort, mit einem Berglöwen an seiner Spitze. Und dieser Berglöwe lässt seine Geschäfte von einem schwarzen Panther regeln. Solch ein Panther könnte durchaus ein besonders schöner dunkelhaariger Mann sein? Blauschwarz glänzende Haare? Augen, die dich zur Vorsicht ermahnen? Durchaus drin … während sie sorgsam weiterforschen, erfahren sie von der lichten Seite des Parks, die Mitarbeiter akquiriert. Aber nicht jetzt, dass du dort einfach so anklopfen könntest. Nein. Nicht drin. Wiederum fällt das Stichwort Knotenpunkte, aber wiederum sagt keiner, wo man die findet. Aber ein Grünes Tal wird als Zwischenquartier empfohlen. Von William Reuther junior, der sie dabei anschaut, als wollte er deutlich mehr sagen, als er tut … okay, also los nach Karlsruhe, Nordbaden und dort in ein unbedeutendes Seitental des auslaufenden Schwarzwaldes hinein … ein kleines Bergdorf könnte man meinen. Aber nein, es ist eigentlich nur ein liebevoll nostalgisch angelegtes Feriendorf, auf Familienfreizeit am Bauernhof ausgelegt … aber sie müssen ziemlich hart darum kämpfen, als Gäste auch akzeptiert zu werden. Denn sie haben keinerlei Kinder bei sich! — „Das ist hier Pflichtprogramm …“ – Verkündet ihnen Chev, der sich damit auch namentlich vorstellt und endlich einmal macht es Bingo! Sie sind genau da gelandet, wo sie hinwollten! Juhu! Aber der Bursche, also dieser Chev, der hat was an sich, das ist bizarr, dass man in diesem Zusammenhang auch an hübsche starke Mädchen glauben kann, die Heuschrecken genannt werden … wer weiß, vielleicht gibt es die hier ja ebenso? Er ist winzig. Sehr jung und gleichzeitig uralt … (Moishe) „Darf ich wirklich einfach so Chev zu dir sagen? Entschuldige, du wirkst so weise und gleichzeitig auch jung wie ich selbst. Das irritiert etwas? Verstehst du mich eigentlich auf Hebräisch? Ich kann auch Englisch oder Deutsch sprechen, halt nicht ganz so flüssig?“ – (Chev) „Ich schon, auch flüssig. Egal, was du brauchst. Vermutlich zumindest … ja. Ich heiße so und darum spricht man mich so an …“ – Er klingt brummig, muffelig, so, als hätten sie ihn tödlich beleidigt … (Moishe) „Und was kann ich tun, dass du uns nicht mehr böse bist?“ – (Chev) „Ein Kind oder wenigstens doch einen Hund hervorzaubern. Dann kann ich euch als Familie einschreiben …“ – Moishe guckt verwundert. Am Hof rennen doch massenhaft Hunde herum? War das sein Stichwort? — „Kannst du mir vielleicht einen ausborgen? Ich meine einen Hund? Während unseres Aufenthalts hier? Also uns … vielleicht jedem von uns einen eigenen?“ – Trutz schaut ihn skeptisch an, hat sichtbare Stirnrunzeln und erwartet nun wohl, dass ihre Zimmerbelegung reichlich uncharmant wieder gestrichen wird. Aber nein … (Chev) „Wie wolltet ihr es eigentlich bezahlen? Ihr seht pleite aus?“ – (Moishe nickend) „Ja, du hast recht, wir müssen uns jetzt erst einmal Jobs suchen gehen, dass das auch klappt. Aber wir sind beide sehr geschickt, also bislang hatten wir nie größere Schwierigkeiten auf die Schnelle etwas zu finden. Hier soll es nicht besonders teuer sein. Sagte uns ein junger Mann in Bonn, der auf mich den Eindruck erweckte, als wollte er, dass wir herkommen …“
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