Der Meisterspion der BRD

Schröderberg (Teil2), Buch Wandelwelten
In Erinnerung an den Gänsberg.
Vom Geist alter Erinnerung inspiriert.
Auszug aus Schröderberg. (NN) „Tut mir leid, wenn ich Ihre Gedanken so unhöflich unterbreche, Graf vanGeußen, aber leider komme ich genau in der Angelegenheit, die Sie vom Tisch wischen möchten … ich fürchte, meine Familie auf den Inseln plant etwas gegen uns auszurichten. Und wenn die tatsächlich losschlagen sollten, dürfte es sich fast identisch anfühlen wie die Bilder, die Sie alle in ihren Visionen sehen … ich meine den Charyque-Angriff im Norden beginnend … meine Ursprungsfamilie, die Familie Gœðïsson von Llhyssonk, wird allerdings nicht den Norden angreifen. Sondern den Süden. Explizit wahrscheinlich nur ein Klinikum. Aber das dürfte ausreichen, die Welt komplett aus ihrem Schlummer zu reißen. Sie aus ihrem Irrglauben aufwecken, die Menschheit könnte über die rollende Kugel ganz allein bestimmen?“ – (Stefan reserviert) „Entschuldigung? Worum geht es genau?“ – Stefans direkte Bereitschaft irgendwem helfen zu wollen, reduziert sich auf ein provokatives Fragezeichen, das zunächst einmal wirksam wieder zur Tür rausgescheucht werden muss. Das heißt dann wohl, NN wird sich etwas konkreter ausformulieren müssen, möchte er das Wohlwollen des Raumes für sich zurückgewinnen. Für den ersten Moment gesehen, hielt er es bereits in Händen … nun, das hier scheint wirklich kein gemütliches Plauderstündchen zu sein. Der Frövjed Stefan vG, auf den ist er vorbereitet. Auch darauf, dass es hier viele hochbegabte Yolliver gibt. Aber da ist auch ein blitzgescheiter Vampir darunter, hellwach und sich dessen voll bewusst und ein Konar, zwar nur ein Yolliver, aber dafür mächtig agil. Das ergänzt sich um einen interessanten Barmann und einen sehr großen stillen Mann, der rein magisch bewertet, alles andere als ein Mensch ist. Dafür aber harmlos wirkt … mal abgesehen vom Kaffeekocher und ihm, sollte seine übliche Art vollkommen ausreichen, sie alle von der Ernsthaftigkeit des Unterfangens und seiner Ehrlichkeit zu überzeugen. Aber inwieweit diese anderen beiden bereit sind, einem Llhyssonker Wohlwollen entgegenzubringen, bleibt abzuwarten. – Aber verdammt noch mal! Ihm bleibt nicht wirklich viel Zeit … (NN) „Meine Hoffnung zielt darauf, Sie könnten meine Leute und mich vielleicht unterstützen? Ich dachte speziell an ihre Einheit Sternschnuppe, die im Alten Wald trainiert? Ich weiß darum, dass der Graue Prinz sie ursprünglich zusammenstellte und einer ihrer engen Freunde aus dem Goldenen Turm sie zur Gruppe formte. Dabei lief etwas schrecklich schief. Aber seitdem haben die überlebenden Jungs ein Niveau erreicht, das für Menschen einzigartig bleibt … der Alte Wald hilft Ihnen dabei. Er ist mystisch und spätestens Ihr freundlicher Herr an der Kaffeemaschine weiß genau, wovon ich spreche …“ – Er kann ihre Gedanken absolut nicht einsehen! Er, ein Charyque aus Llhyssonk! Das ist mal wirklich etwas Neues für ihn … „Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir diese Hilfestellung zukommen lassen könnten. Trotz der landesweiten Unruhen und all‘ Ihrer sonstigen Sorgen, die Sie jetzt schon im Übermaß haben. Mit diesem Angriff meiner Familie könnte sich die Hölle selbst für die Menschheit auftun. Die noch nichts darum ahnt, dass es diese Hölle auch für die Lebenden gibt. – Ich hoffe auch, offen gestanden, darauf, Sergeij Medwedew und seinen Hauptmann Fedor Sokolow hier anzutreffen? Ich hoffe sehr, sie werden uns unterstützen. Damit ständen unsere Chancen deutlich besser …“ – Stefan drückt wie selbstverständlich – aber immer noch mit ausdruckslosem Gesicht – den Knopf an seiner Telefonanlage … „Kannst du – bitte – drüben Bescheid geben, dass ein NN aus Bonn sie sprechen möchte? Und mir Bescheid geben, falls umgekehrt kein Interesse besteht? Danke.“ – Stefans Gesichtszüge fordern weiterhin Distanz. Nicht viel anderes, aber ein minimales Flackern im Hintergrund seiner tiefgrünen Augen verrät, dass er auf jeden Fall bereit ist zuzuhören … (NN) „Herzlichen Dank.“ – Mit höflich ehrbarem Nicken untermalt, eine angedeutete Verbeugung… „Dann leite ich zu meiner dritten Bitte über, die richtet sich exklusiv an Sie, Stenka Biedermann, wie man Sie nennt. – Ihre Kontakte nach Bonn sind in dem Fall besser als meine eigenen. Obschon ich dort arbeite und in deren Auftrag für normal handle. Ich muss deutlich mehr Fragen beantworten als ich kann, wenn ich dort um Unterstützung ersuche. Ich glaube, Sie persönlich könnten ohne diese Stolpersteine wesentlich größere Einheiten seitens NDH, Polizei, Sondereinheiten und Privatmilizen aufstellen, als irgendwer anderes. Ich bräuchte zudem jemanden, der die Knotenpunkte ansteuert und dort kampffähige Kräfte auffordert, sich vorzubereiten. – Nur an das Franken-Kampfcenter denke ich dabei, wie euer Wigbert Garner es betitelt… Genau da erfolgt der Angriff. In Fürth. Westlich der Altstadt gelegen, Hardhöhe nennt sich das Wohngebiet. Da steht das Städtische Klinikum mittendrin. Mein Sohn unterhält dort ein Sozialprojekt, das er summum bonum nennt. Dieses privat subventionierte Konzept baut auf Menschlichkeit, auf Mitgefühl. Gebietet dem Tod nicht gar so hart gegen die Sterbenden vorzugehen, ihnen Würde für den letzten Moment zuzugestehen… Damit beleidigt mein Junge unsere Familie aufs Schärfste… Er ahnt nichts um unsere Abstammung, hält sich rein für einen Menschen. Einen körperlich eingeschränkten Menschen, der sein Leben aus einem Rollstuhl heraus gestalten muss. Einen Pfleger für sich benötigt, der ihn versorgt. Seine ganze Person beleidigt unser Volk. Er beweist überdeutlich, dass es auch in unserer Welt Zartheit und Schwäche gibt … Maarten spricht sich für Sanftmut aus, wo unsere Welt auf Stärke pocht, erbittet Nachsicht, wo wir nochmals härter durchgreifen. Wir sind als Volk gesehen ein unbarmherziges, ein hartes. Ein kaltherziges… Das Mitgefühl und die Empfindsamkeit meines Jungen sind so einzigartig für unsere Wesensart, dass er für mich unantastbar ist. Wie der Heilige Gral im Christentum … ich habe nicht einmal gewagt, ihm auch nur anzudeuten, dass er nicht-menschlich ist, dass nur seine Mutter es war. Die lange schon tot ist, bei seiner Geburt verstarb. – Ich bitte Euch, Graf Dr. Stefan vanGeußen, den seine Freunde als Biedermann werten, weil er gütig, großmütig, selbstlos ist und immerzu allen und jedem helfen möchte, meinem Sohn zu helfen, seinen Glauben an das Gute zu bewahren… Ich fürchte um diesen tiefen Glauben in ihm, der sein ganzes Wesen ausfüllt. Auf eine Temperatur anhebt, die unserer Art wie Fegefeuer erscheinen müsste. Ich fürchte, dieser tiefe Glaube ist genauso gefährdet vernichtet zu werden, wie das Leben selbst. Alles Leben um ihn herum. Seine Pfleger, seine Ärzte, seine Patienten. Seine Freunde. Seine Wachgarde, die ich von ihm unbemerkt ums Klinikum aufstellen konnte. Sie werden nicht in der Lage sein, allein dagegen zu bestehen… Mein Gefühl sagt mir, dass alles auf der Kippe steht. Alles, was ich glaubte, stabil installieren zu können, geht gerade subversiv torpediert zu Bruch…“ – Eindeutig der passende Moment, alle Mann an die Theke zu einem freundlichen Kaffee zu bitten. Mattis zieht alle Aufmerksamkeit auf sich, als er hörbar Kaffee in Becher füllt. Nun, er wählt nicht das Geschirr aus, das Stefan für Gäste normal vorsieht. Nimmt einfach das, was üblich bei Stefan am Tisch rumsteht. Robust, einfach gehalten, hohe Pötte, wo auch was reinpasst. Also gänzlich gesehen deplatziert.
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