Lapis, Buch Der Aufbruch
Familiengeschichten abseits der Hauptlinie.
In einer ganz eigenen Zeit.
Wilde Natur
Regen durchdringt meine Jacke,
kühles Nass umgibt mich,
meine Füße schwimmen in
klatschnassen Schuhen
es stürmt, der Wind weht um die Ecken
peitscht einem entgegen,
kaum möglich hier zu gehen,
man läuft schier gegen Mauern an
der Schirm droht abzudanken
sich von der Halterung zu lösen,
davonzufliegen –
besser ihn zu schonen,
den Wind im Haar zu spüren,
das Wasser in tropfnassen Kleidern
versinken zu fühlen
die Kühle als Streichelei
in sich aufzunehmen
Wasser als Lebensquell anzusehen
die wilde Natur als solche genießen,
einfach sie lieben
Regen, Wind und Schnee
als Temperament schätzen lernen,
es verstehen
ein durchweg ausgeglichener Mensch
scheint uns zu ruhig,
vielleicht sogar als unverständlich
auch die Natur verlangt danach, sich auszutoben
fällt kein Schnee, tosen Orkane übers Land
scheint keine Sonne, regnet es sintflutartig
weht kein Lüftchen, breitet sich Nebel aus
ist keine Wolke am Himmel,
weht ein Sommerlüftchen,
säuselt durch die Bäume
Vögel wiegen sich darin,
Blumen duften sanft
fällt dann Regen,
wachen welke Pflanzen wieder auf,
Frösche quaken,
Regenwürmer aalen sich im Nass,
Vögel plustern sich,
warten ab, was kommen mag
nur der Mensch versteckt sich
in Häusern, unter Regenschirmen
verflucht den, der ihn daran zu hindern wagt
versteht die Natur nicht mehr
fürchtet sich gar
nur Sonne, Wärme will er haben …
ein ständig lachend Gesicht am Himmel
dass auch Natur Verlangen hat
sich ungezähmt und frei zu äußern,
sich wild und stürmisch zu gebärden
woll’n Menschen nicht verstehen
Thomas Schlüter
an einem stürmischen Tag im Mai 1957
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