Mondknoten (Teil2), Buch Wandelwelten
In Erinnerung an den Gänsberg.
Vom Geist alter Erinnerung inspiriert.


Auszug aus Mondknoten. „Alberich, ich denke, diesen Räusperer solltest du dir mal selbst anschauen? Das könnte tatsächlich der Graue sein, wie sie ihn nennen. Er ist aber deutlich weniger bedrohlich, als alle behaupten.“ – Derweil Alberich sich den Grauen selbst betrachten kommt. Mit einem beachtlich schweren Buch unter seinem dünnen Fünfjährigen Arm … (Amber) „Wenn du Seite 367 aufschlägst, kannst du nachlesen, womit sich dein Vater und ich zurzeit beschäftigen. Aber bitte sehr vorsichtig, das Buch ist viele tausend Jahre alt und als unendlich kostbar einzustufen.“ – Als wolle er sich respektvoll bei einem angesehenen weisen Gelehrten dafür entschuldigen, dass er gewagt hat, ungebeten dessen privates Auditorium zu betreten. Alberich blättert konzentriert und sichtlich unbeeindruckt auf die bewusste Seite zu … „Solange gibt es den Buchdruck noch gar nicht. Wenigstens nicht hier bei uns. Willst du etwa behaupten, das Buch stamme aus einer anderen Welt? Nun, das Material ist jedenfalls atypisch … was wohl für alle Dinge in diesen hinteren Räumen gilt? Aber ich kann es lesen. Wie geht das? Selbst wenn es nur eintausend Jahre alt wäre, sollte ich damit doch etwas mehr Schwierigkeiten haben? Habe ich aber nicht … also auf Seite 367 reden sie von Farben … »Steinfarben sind wie Musen unserer Seele. Stimmen uns friedlich, machen uns wild, entfachen die inneren Feuer oder löschen die schwelende Glut und lassen uns, auf ewig, Freunde sein. Niflheim reagiert zu aller Zeit respektvoll auf die Sanftmut des Malachit, indessen sich Muspelheim mit lebendigem Gold voller Geschichten am liebsten seine Zeit vertreibt und wir, die Ursprünglichen, erliegen dem betörenden Charme des Lapislazuli. Manche Dinge ändern sich nie. Die Schattenfürsten erkennen im Amethyst ihre Aussage geformt und der Wächter am Tor liebt die Stimme des abkühlenden, selbst bestimmten Onyx im Ohr. Wie die große Mutter seit jeher der Unendlichkeit und Tiefe, des Himmels und der Wasser, frönt. Nur Midgard bleibt in diesem Punkt auch weiterhin unbestimmt …« Das klingt fast so, als würdet ihr euch mit Poesie eure Zeit vertreiben? Aber Papa sieht dafür zu krank aus? Es muss sich also um etwas anderes drehen …“ – (Erasmus) „Midgard? So wird die Welt der Menschen in der Nordischen Mythologie genannt.“ – (Ephraim) „Niflheim ist die Welt des ewigen Eises und Muspelheim die Welt der ewigen Flammen …“ – Auch Han hat etwas beizutragen … „Das genannte lebende Gold kann ja eigentlich nur Honig oder Baumharz sein? Und Baumharz wird zu Bernstein und umschließt manchmal noch etwas aus der vormaligen Zeit. Zum Thema lebendes Gold, mit Geschichten angefüllt … Malachit, Lapislazuli, Amethyst und Onyx sind ebenfalls Halbedelsteine. Es geht, um deren Farbe als Möglichkeit, die Bewohner der jeweiligen Welt zu umschmeicheln oder gleichsam zu beherrschen, je nach Sachlage …“ – (Alberich) „Ja, kleiner Bruder. Vater und der graue Lord suchen Möglichkeiten, andere Welten zu beeinflussen. Wahrscheinlich gibt es da noch viel Spannendes zu erfahren. Ist unserem Vater auch zuzutrauen, dass er sich damit auseinandersetzt? Aber er sieht im Moment zu krank aus.“ – Der Blick richtet sich streng auf den grauen Lord, der dazu nun mal Stellung zu beziehen hat. Es dreht sich immerhin um ihren Vater! – (Amber) „Nun, Degen, ich finde, du könntest auch mal etwas sagen? Jetzt wissen wir, dass deine Jungs, zumindest der größte, die Bücher lesen kann. Von den anderen wissen wir sicher, dass sie mutig und unerschrocken sind und sich für Geschichte, Mythologie und Tiefgeistiges interessieren … wollten wir sonst noch etwas Dringendes herausfinden? Oder warum schweigst du immer noch so beharrlich?“ – Alberich will schon empört loslegen, da erklingt doch noch die tiefe, sonore neue Stimme Degens, seit er mit seinen Stimmbändern Probleme bekam. Die Stimme ähnelt doch ziemlich derer Ambers, wenn der seinen respektvoll altehrwürdigen Auftritt zelebriert. Somit seine Bühnenstimme, aber in Degens Fall, die einzig verfügbare, mit der er reden kann. Alberich zuckt überdeutlich zusammen, gleich seinen Brüdern und den ständigen Begleitern Degens… (Degen) „Hallo Jungs! Schön, dass ihr hier seid und sichtlich an unseren Themen interessiert. Damit könntet ihr uns weiterhelfen … tut mir leid, dass ich etwas gewöhnungsbedürftig klinge. Aber so kann ich auch selbst zu euch sprechen und muss nicht den Prinzen um alles bitten. Meine Stimmbänder streiken und meine Körperlichkeit schließt sich dem immer deutlicher an. Deshalb müssen wir uns mit allem, was wir vorhaben, eilen und dass ihr dabei vielleicht sogar aktiv mitarbeiten könntet, ist prachtvoll. – Könnte mir mal jemand bitte dieses blöde Bett hochklappen? Dass ich wenigstens irgendwen sehe, während ich meine Monologe in den hohlen Wind atme?“ – Ack ist der Schnellste und kriegt es geregelt, dass Degen seine Söhne auch sieht, wenn sie nicht ihren Kopf direkt über seinen strecken … wie Ephraim vorhin. Da hätte er beinahe direkt losgeplappert und die ganze Show vermasselt … (Alberich besorgt) „Du klingst gar nicht gut, wenn du gestattest, dass ich das so direkt anmerke. Was meinst du damit, wir müssen uns beeilen, mit allem, was wir vorhaben? Was genau haben wir vor? Und wobei können wir helfen?“ – (Degen) „Wir möchten das alte angeschlagene Wesen in mir wachrütteln. Es legt mich gänzlich lahm, lässt mich nur noch als Wesen agieren und den Körper außen kaum noch etwas selbst entscheiden. Das ist erbärmlich, steckt man in ihm fest. Somit würde ich das gern schnell zu Ende bringen, bevor ich ganz ausgeschaltet werde.“ – (Alberich) „Wer schaltet dich denn aus?“ – (Degen) „Ich mich selbst, wollte ich behaupten. Anders kann man es kaum ausdrücken. Ich habe rausgefunden, dass ich aus Ljossalfheim stamme und jetzt wünscht sich mein Inneres, auch ein dazu passendes Wesen zu sein und hat den Siegfried im Außenbereich derweil im Bett abgelegt. Der hat wohl gerade etwas gestört?“ – (Alberich) „Und wie können wir helfen?“ – (Erasmus) „Ljossalfheim? Dann bist du ein alter Ase? Einer der alten Götter? Ein Lichtelfe?“ – (Ephraim) „Lichtelben heißt das oder Elfe, nicht in Kombination …“ – (Han) „Also, wenn es diese Elfen gibt, dann gibt es aber auch die Schwarzalben? Ist der Prinz wohl einer von denen?“ – Mit Blickrichtung auf Amber, der darüber nur lächeln kann. Schließlich ist der Zwerg erst knapp drei Jahre alt! Was würde der erst für Fragen stellen, wäre er schon größer?
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